1.2 Windows Server 2008 und Windows Server 2008 R2 

Nachdem wir zurückgeschaut haben, ist nun ein guter Moment, um in die Gegenwart zu blicken. Windows Server 2008 hat sich seit seinem Erscheinen in vielen Unternehmen durchgesetzt und als stabile Plattform bewährt. Einige wichtige Neuerungen von Windows Server 2008 waren:
- Ein streng modularer Aufbau, der es ermöglicht, dass nur die Rollen und Funktionen installiert sind, die tatsächlich benötigt werden.
- Eine Core-Installationsoption, mit der ein Windows Server mit minimaler Angriffsfläche installiert werden kann. Ein in diesem Modus installierter Server verfügt lediglich über eine Texteingabemöglichkeit, es sind keine grafischen Werkzeuge vorhanden.
- Eine neue Version des Webservers Internet Information Server (IIS)
- Stark verbesserte Terminaldienste
- Network Access Protection sorgt für zusätzliche Möglichkeiten zum Schutz des Netzes.
- Active Directory ist nun ein Oberbegriff für verschiedene Komponenten. Das eigentliche Active Directory findet sich nun unter dem Begriff Active Directory-Domänendienste. Weitere Mitglieder der Active Directory-Familie sind die Lightweight Directory Services (vormals ADAM), der Zertifikatdienst, die Rechteverwaltungsdienste und die Verbunddienste.
- Windows Bereitstellungsdienste zur Installation von Clients als Nachfolger von RIS (Remote Installation Services)
- Eine neue Servervirtualisierungslösung namens Hyper-V
Neben diesen »großen« Punkten enthielt Windows Server 2008 viele weitere »kleinere« Neuerungen, die bei einer neuen Druckerverwaltung beginnen und bei einer erneuerten Bedienoberfläche noch nicht aufhören. Auch Aspekte wie die konsequente Integration von IPv6 oder die Möglichkeit, den Server mittels der PowerShell auf der Textoberfläche zu administrieren, runden das Bild in positiver Weise ab.
Neu in R2
Es stellt sich nun natürlich die Frage, was in Windows Server 2008 R2 im Vergleich zu Windows Server 2008 tatsächlich neu ist. Erstens ist festzuhalten, dass erwartungsgemäß eher Änderungen im Detail vorgenommen worden sind. Immerhin deutet ja die Benennung des Betriebssystems bereits an, dass nicht alles mehr oder weniger radikal umgekrempelt wurde. Oder anders gesagt: Der Schritt von Windows Server 2008 zu Windows Server 2008 R2 ist deutlich kleiner als der von Windows Server 2003 zu Windows Server 2008 gewesen ist. Immerhin heißt die aktuelle Version ja auch nicht Windows Server 2010, sondern 2008 R2. Damit Sie nicht allzu enttäuscht sind, möchte ich anmerken, dass die Unterschiede von 2008 zu 2008 R2 schon größer sind als von 2003 zu 2003 R2.
Wer sich mit Windows Server 2008 mehr oder weniger intensiv beschäftigt hat, wird zunächst über die etwas veränderte Oberfläche von Windows Server 2008 R2 stolpern. Das neue Serverbetriebssystem verfügt über die neue breite Menüleiste, die Sie vielleicht auch von Windows 7 kennen (Abbildung 1.9). Eine allzu große Überraschung dürfte die Annäherung der Oberfläche an das aktuelle Client-Betriebssystem aber nicht sein – das haben wir schließlich in der Vergangenheit auch gesehen. Windows Server 2008 (ohne R2) besaß die Vista-Oberfläche, Windows Server 2003 hatte die XP-Oberfläche und so weiter.
Abbildung 1.9 Windows Server 2008 R2 verfügt über die Windows 7-Oberfläche
Die »neue Optik« sollte wie gesagt nicht darüber hinwegtäuschen, dass der 2008 R2-Server eben ein erweiterter Windows Server 2008 ist – nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem gibt es etliche spannende Neuerungen zu entdecken.
Insbesondere wenn Sie in Ihrem Unternehmen Windows 7 einführen, werden Sie dort einige interessante Technologien entdecken, die zwingend die Unterstützung von Windows Server 2008 R2 benötigen. Insbesondere sind dies die folgenden Features:
- DirectAccess: Dies Feature wird etwas vollmundig als VPN der nächsten Generation angekündigt. In der Tat handelt es sich um einen sehr spannenden Ansatz, denn DirectAccess sorgt dafür, dass mobile Clients jederzeit einen transparenten Zugriff auf Unternehmensressourcen haben. Einerseits sorgt es für einen hohen Komfort beim Anwender, andererseits erlaubt DirectAccess es auch, mobile Clients zu verwalten.
- BranchCache: Wenn Niederlassungen auf zentrale Server zugreifen, stellt sich regelmäßig die Herausforderung, dass bei der Übertragung großer Dateien die zur Verfügung stehenden Bandbreiten doch für ein performantes Arbeiten zu gering sind. BranchCache speichert große Dateien in der Niederlassung zwischen und überträgt sie folglich nur einmal über die WAN-Verbindung.
Diese Features erfordern Windows 7 auf den Clients und serverseitig Windows Server 2008 R2. »Serverseitig« bedeutet dabei nicht, dass sämtliche Server des Unternehmens nun auf 2008 R2 umgestellt werden müssen – nur die Systeme, die den Clients die Funktionalität bereitstellen, müssen auf dem aktuellen Stand sein.
Ein weiteres »Windows 7-Support-Feature« sind die verbesserten Windows-Bereitstellungsdienste. Erst mit der Windows Server 2008 R2-Version dieser Dienste lassen sich alle Deployment-Fähigkeiten von Windows 7 ausnutzen.
Generell wäre zum Thema Interoperabilität anzumerken, dass ein R2-Server wunderbar in einer 2008-Umgebung (ohne R2) funktioniert, ebenso gilt auch umgekehrt: Ein einzelner Windows Server 2008 (ohne R2) funktioniert problemlos in einer ansonsten reinen R2-Umgebung.
- In Tabelle 1.1 erhalten Sie einen ersten zusammenfassenden Überblick, welche Neuerungen im 2008 R2-Server gegenüber der alten Version enthalten sind. An dieser Stelle finden Sie eine stichwortartige Auflistung, über die »komplexeren« Neuerungen finden Sie im weiteren Verlauf des Buchs.
| Rolle/Feature | Neuerungen |
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Active Directory-Domänendienste |
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Active Directory-Zertfifikatdienste |
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DNS |
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Failover-Cluster |
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Gruppenrichtlinien |
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Hyper-V |
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iSCSI-Initiator |
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MPIO (Unterstützung von Multipfad-SANs) |
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Netzwerkzugriffsschutz |
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Netzwerkrichtlinienserver |
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Printing |
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Remotedesktopdienste |
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Server Core-Installationsoption |
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Server-Manager |
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Dienstkonten |
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Webserver (IIS) |
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Windows-Bereitstellungsdienste |
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Windows PowerShell |
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Windows Security Auditing |
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Unterstützung für Windows 7-Features |
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Eine zweite Gruppe von Neuerungen finden Sie in Tabelle 1.2. Die hier aufgeführten Features sind ebenfalls R2-Neuerungen, allerdings dürften diese eher für den »kleinen Bruder« Windows 7 interessant sein. Klar, Verbesserungen bei der biometrischen Authentifizierung sind prima und wünschenswert – im Serverumfeld sind diese aber sicherlich weniger relevant.
Einige der aufgeführten Funktionen haben sozusagen zwei Facetten: Bei BranchCache und DirectAccess kann ein R2-Server sowohl Client als auch Server sein. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es einen Server auf der Welt gibt, der als DirectAccess-Client fungiert – aber bitte, möglich wäre es.
| Rolle / Feature | Neuerungen |
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AppLocker |
Neue Funktion, mit der sich die Ausführung von Programmen kontrollieren lässt |
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Biometrie |
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BranchCache |
Neue Funktion, um Mehrfachübertragungen großer Dateien über WAN-Strecken zu vermeiden |
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DirectAccess |
»VPN der nächsten Generation«: Bietet eine Always-Connected-Funktionalität für mobile Clients |
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VPN-Verbindungswiederherstellung (VPN-Reconnect) |
Automatische Wiederherstellung von VPN-Verbindungen |
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Firewall |
Mehrere Profile gleichzeitig aktivierbar, sinnvoll bei VPN-Verbindungen |
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Mobile Broadband |
Optimierte Unterstützung von UMTS-Karten und so weiter |
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Smartcards |
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Benutzerkontensteuerung (User Account Control) |
Diverse Anpassungen der mit Vista eingeführten Benutzerkontensteuerung, insbesondere in Hinblick auf Konfigurierbarkeit |





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