14 Die wichtigsten Steuerelemente
14.1 Gemeinsame Eigenschaften, Methoden und Ereignisse 

Alle Steuerelemente weisen gleichnamige Eigenschaften, Methoden und Ereignisse auf, die in ihren Auswirkungen identisch sind und deshalb im Einzelnen nicht bei jedem Steuerelement immer wieder neu vorgestellt werden müssen.
14.1.1 Größe und Position 

Die Größe eines Steuerelements wird durch die Eigenschaft Size beschrieben, die vom Typ der Struktur Size ist. Diese hat die für uns wichtigen Eigenschaften Width und Height, mit denen man die Breite und Höhe eines Steuerelements einstellen kann.
Die Position eines Steuerelements wird durch die Position seines linken oberen Eckpunktes relativ zum Ursprungspunkt des Clientbereichs des Containers (hier der Form) beschrieben. Zur Positionierung dient die Eigenschaft Location, die vom Typ der Struktur Point ist und die Koordinaten eines Punktes mit den beiden öffentlichen Eigenschaften X und Y beschreibt.
btn.Location = new Point(150, 20);
Alternativ können Sie auch mit Left und Top die Position festlegen. Left ist der Abstand des Steuerelement-Ursprungspunktes vom linken Rand des Clientbereichs, Top der Abstand vom oberen Rand – immer bezogen auf den Clientbereich der Form, dessen Abmessungen geringer sind als die der Außenabmessungen.
14.1.2 Die Sichtbarkeit und der Aktivierungszustand 

Die Eigenschaft Visible steuert die Sichtbarkeit eines Controls und ist vom Typ Boolean. true bedeutet, dass das Steuerelement angezeigt wird; false besagt, dass es nicht sichtbar ist.
Sehr ähnlich ist auch die Eigenschaft Enabled zu bewerten. Mit der Einstellung false ist ein Steuerelement deaktiviert und ändert seine Farbdarstellung. Eine deaktivierte Schaltfläche hat beispielsweise eine graue Beschriftung.
14.1.3 Die Eigenschaft »Text« 

Die Eigenschaft Text dient generell dazu, eine Beschriftung anzugeben. Wird ein neues Steuerelement erzeugt, wird dieser Eigenschaft in den meisten Fällen eine Standardzeichenfolge zugewiesen, die dem automatisch zugewiesenen Namen des Steuerelements entspricht.
Mit der Eigenschaft Font des Steuerelements wird die Schriftgröße und die Schriftart der Eigenschaft Text eingestellt. Eine Ausnahme hiervon ist die Beschriftung der Titelleiste eines Formulars. Viele Steuerelemente stellen darüber hinaus auch mit TextAlign eine Eigenschaft bereit, um den Text auszurichten.
14.1.4 Die Farbeigenschaften 

Die Farben werden mit den Eigenschaften BackColor und ForeColor eingestellt. BackColor legt dabei die Hintergrundfarbe fest, ForeColor die Vordergrundfarbe. Die Vordergrundfarbe beschreibt die Farbe eines Textes.
14.1.5 Grafische Darstellung 

Die Eigenschaft Image eines Steuerelements ermöglicht die Anzeige eines Bildes im Steuerelement. Ein Image kann sowohl eine Bitmap als auch ein Icon oder eine Metadatei sein. Allerdings haben nicht alle Steuerelemente diese Eigenschaft. Häufig wird darüber hinaus auch die Eigenschaft ImageAlign angeboten, damit das Bildchen ausgerichtet werden kann.
Die sehr ähnliche Eigenschaft BackGroundImage zeigt ein Bild hintergrundfüllend an. Dazu wird das Bild sich periodisch wiederholend dargestellt.
14.1.6 Die »Modifiers«-Eigenschaft 

Standardmäßig ist der Zugriffsmodifizierer der Steuerelemente private. Deshalb hat auch nur der Code in der Form Zugriff auf das Steuerelement.
Wollen Sie den Zugriff auf ein Steuerelement aus einer anderen Form heraus gewährleisten (beispielsweise, um den Inhalt einer Textbox lesen zu können), muss ein anderer Zugriffsmodifizierer gewählt werden. Im Eigenschaftsfenster können Sie diesen mit der Eigenschaft Modifiers (die allerdings keine Eigenschaft, sondern nur eine Option der Entwicklungsumgebung ist) nach eigenem Ermessen festlegen.
14.1.7 Die Eigenschaft »Tag« 

Die Eigenschaft Tag dient allgemeinen Zwecken. Sie können ihr einen beliebigen Wert zuweisen, denn Tag ist vom Typ Object – zumindest solange Sie Tag im Programmcode einen Wert zuweisen. Ein Eintrag im Eigenschaftsfenster wird als string interpretiert.
Mit der Wertzuweisung ist keine bestimmte Aktion und auch kein bestimmtes Verhalten verbunden. Sie müssen im Programmcode selbst für die gewünschte Interpretation sorgen. Damit ist Tag nur ein »dummes« Feld, das auf Klassenebene deklariert ist.
14.1.8 Die Größe von Steuerelementen dynamisch der Formgröße anpassen 

Alle Steuerelemente zeigen ein identisches Verhalten, wenn die Größe des Fensters zur Laufzeit verändert wird: Ausgehend vom linken oberen Punkt des Formulars behalten sie ihre Größe und Position bei. Ein Vergrößern der Form führt daher im rechten und unteren Teil zu einem steuerelementfreien Bereich. Bei einer Verkleinerung hingegen sind die rechts außen oder unten stehenden Steuerelemente möglicherweise nicht mehr sichtbar – ein hässlicher Effekt.
Zuweilen ist es sinnvoll, wenn sich die Größe der Steuerelemente dynamisch der Größe der Form anpasst und ihre relative Position innerhalb der Form erhalten bleibt. Realisieren lässt sich eine solche Forderung mit der Eigenschaft Anchor, die vom Typ der Enumeration AnchorStyles ist und insgesamt fünf Werte beschreibt, mit denen ein Steuerelement am Rand seines Containers verankert werden kann. Verankert heißt, dass bei einer Größenänderung der Form der Abstand zwischen Formular und Form konstant bleibt.
| Member | Beschreibung |
|
None |
Das Steuerelement ist an keinem Rand verankert. |
|
Top |
Das Steuerelement ist am oberen Rand verankert. |
|
Bottom |
Das Steuerelement ist am unteren Rand verankert. |
|
Left |
Das Steuerelement ist am linken Rand verankert. |
|
Right |
Das Steuerelement ist am rechten Rand verankert. |
AnchorStyles verfügt über das Attribut [Flags]. Die einzelnen Konstanten der Enumeration können daher bitweise kombiniert werden.
Sie können die Konstanten im Eigenschaftsfenster einstellen. In der Wertespalte wird über eine Schaltfläche mit einem nach unten zeigenden Pfeil ein kleines Hilfsfenster geöffnet (siehe Abbildung 14.1). In diesem markieren Sie die Abstände, die zum Rahmen des Containers konstant bleiben sollen. In der Abbildung handelt es sich um den Abstand zum oberen und unteren Rand der Form.
Abbildung 14.1 Das Einstellen der Eigenschaft »Anchor«
14.1.9 Die »Dock«-Eigenschaft 

Manchmal ist es allerdings wünschenswert, dass Steuerelemente bündig am Rand ihres Containers ausgerichtet werden. Denken Sie in diesem Zusammenhang nur an MS Notepad oder an den Explorer.
In Notepad passt sich das Textsteuerelement den Rändern der Form automatisch an. Im Explorer sind den Teilfenstern so Bereiche zugeordnet, dass bei einer Größenänderung der Form oder einer Neuaufteilung des Clientbereichs das linke Teilfenster eine konstante Breite hat.
Mit der Eigenschaft Dock können Sie dieses Verhalten auch festlegen. Legen Sie fest, an welcher Seite des Containers das Steuerelement angedockt werden soll. Neben None, was auch der Standard ist, stehen Ihnen noch weitere fünf Möglichkeiten zur Verfügung: Left, Right, Top, Bottom und Fill. Mit der letztgenannten Einstellung wird das Steuerelement an allen vier Rändern des Containers ausgerichtet.
14.1.10 Steuerelemente fokussieren 

Wollen Sie ein bestimmtes Steuerelement mittels Programmcode fokussieren, müssen Sie auf der Referenz des Steuerelements die Methode Focus aufrufen, z. B. so:
textBox1.Focus();
Eine zweite Möglichkeit, den Eingabefokus zu setzen, bietet sich mit der Methode Select.
Fokuswechsel mit der »Alt«-Taste
Häufig sind in Windows-Fenstern Steuerelemente zu finden, die in ihrer Beschriftung einen unterstrichenen Buchstaben aufweisen. Diese Kennzeichnung dient dem Anwender als optischer Hinweis, dass er mit der Tastenkombination
+ (<unterstrichener Buchstabe>) den Fokus auf das entsprechende Steuerelement setzen kann.
Um dieses Verhalten zu erreichen, müssen Sie vor dem betreffenden Buchstaben nur das »&«-Zeichen in der Text-Eigenschaft eintragen. Müssen Sie innerhalb der Beschriftung ein »&«-Zeichen anzeigen, geben Sie das Zeichen zweimal hintereinander an.
Die Eigenschaften »TabStop« und »ProcessTabKey«
Ein Steuerelement kann mit TabStop=false aus der Fokussierreihenfolge herausgenommen werden. Wechselt der Anwender mit der
-Taste zu diesem Steuerelement, leitet es den Fokus sofort an das nächste in der Fokussierreihenfolge stehende Steuerelement weiter.
Die Methode ProcessTabKey der Form aktiviert das in der Tabulatorreihenfolge nächste Steuerelement. Die Methode erwartet ein Argument, mit dem festgelegt wird, ob die Tabulatorreihenfolge vorwärts (true) oder rückwärts (false) durchlaufen werden soll.
Die Ereignisse beim Fokuswechsel
Beim Fokuswechsel spielen immer zwei Steuerelemente eine Rolle: das Steuerelement, das den Fokus verliert, und das Steuerelement, das den Fokus erhält. In diesem Szenario sind sechs Ereignisse interessant:
- Enter wird beim Eintreten in den Bereich des Steuerelements ausgelöst.
- GotFocus tritt auf, wenn ein Steuerelement den Fokus erhält.
- Leave wird ausgelöst, wenn der Eingabefokus das Steuerelement verlässt.
- LostFocus wird ausgelöst, wenn das Steuerelement den Fokus verliert.
- Validating tritt auf, während das Steuerelement eine Überprüfung durchführt.
- Validated tritt nach dem Beenden der Überprüfung auf.
Enter und GotFocus treten bei dem Steuerelement auf, das den Eingabefokus erhält, alle anderen Ereignisse bei dem Element, das den Eingabefokus abgibt. Die beiden Ereignisse Validating und Validated setzen darüber hinaus voraus, dass die Eigenschaft CausesValidation des fokusabgebenden Steuerelements auf true eingestellt ist.
Entscheidend für die Reihenfolge der Ereignisse ist, auf welche Art und Weise der Fokuswechsel erfolgt. Der Fokuswechsel mit der Maus oder durch Aufruf von Focus führt zur folgenden Ereignisreihenfolge:
- Enter
- GotFocus
- LostFocus
- Leave
- Validating
- Validated
Ein wenig anders ist die Reihenfolge, wenn dem Fokuswechsel die Tastatur oder der Aufruf der Methode Select zugrunde liegt:
- Enter
- GotFocus
- Leave
- Validating
- Validated
- LostFocus
Auf die Implementierung von GotFocus und LostFocus sollten Sie ganz verzichten und stattdessen den erforderlichen Code in Enter und Leave schreiben.
Validierung von Benutzereingaben
Das Ereignis Validating dient dazu, eine Überprüfung des Controls vor dem Fokuswechsel vorzunehmen. Bei einer Textbox könnte das beispielsweise der Inhalt der Eigenschaft Text sein. Hat sie einen unzulässigen Inhalt, lässt sich in Validating der Fokuswechsel unterbinden. Dazu übergibt das Ereignis dem Ereignishandler ein Objekt vom Typ CancelEventArgs, dessen Eigenschaft Cancel auf true zu setzen ist.
Im folgenden Codefragment wird der Inhalt der Textbox textBox1 überprüft. Ist sie leer, wird der Fokus nicht an das nächste in der Fokussierreihenfolge stehende Steuerelement weitergegeben:
private void textBox1_Validating(object sender, CancelEventArgs e) {
if (textBox1.Text.Length == 0)
e.Cancel = true;
}Hat das Steuerelement die Prüfung positiv abgeschlossen, wird Validated ausgelöst.
Eine Bedingung ist mit der Auslösung der beiden Ereignisse Validating und Validated verbunden: Die Eigenschaft CausesValidation des zu überprüfenden Steuerelements muss true (Standardeinstellung) sein. false unterdrückt die Gültigkeitsüberprüfung.
14.1.11 Maus- und Tastaturereignisse 

Die meisten Steuerelemente reagieren auf Maus- und Tastaturereignisse. Das vermutlich wichtigste Mausereignis dürfte das Ereignis Click sein, das ausgelöst wird, wenn der Anwender zur Laufzeit ein Steuerelement anklickt. Sehr ähnlich ist das Ereignis DoubleClick, das auf die schnelle Abfolge zweier Mausklicks reagiert. Das Click-Ereignis wird übrigens auch dann ausgelöst, wenn auf ein Steuerelement doppelgeklickt wird. In den meisten Fällen werden Sie sich daher entscheiden müssen, welches der beiden Ereignisse Sie codieren wollen.
Sehr ähnlich sind sich die Ereignisse Click und MouseClick sowie DoubleClick und MouseDoubleClick. Während Click und DoubleClick keine ereignisspezifischen Informationen an den Ereignishandler weiterleiten, können Sie bei den beiden anderen beispielsweise die Koordinaten des Mauszeigers beim Klicken auf eine Komponente ermitteln.





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