1.2 Windows-Internetverbindungsfreigabe
 
Seit Windows 98 SE können Sie eine Internetverbindungsfreigabe einrichten. Sie geben eine auf Ihrem PC funktionierende Verbindung in das Internet über Modem, ISDN oder DSL für andere Benutzer in Ihrem Netzwerk frei. Die Internetverbindungsfreigabe heißt auf Englisch Internet-Connection Sharing, kurz ICS.
Technisch erhält Ihr Internet-PC dadurch die Funktionalität Routing, er routet zwischen Ihrem LAN und dem Internet. Damit die Einrichtung von Clients einfacher ist, wird ein DHCP-Server auf dem Internet-PC gestartet; allen anderen PCs im Netzwerk wird die Konfiguration (IP-Adresse und Default-Gateway) per DHCP zugewiesen.
Ihr PC wird also zusätzlich zu seinen bestehenden Aufgaben zu einem Software-Router umfunktioniert. Für Ihren PC stellt das Routen der Datenpakete zwischen dem Internet und Ihrem LAN übrigens keine besondere Belastung dar. Die Bandbreiten in das Internet sind, verglichen mit den Bandbreiten im LAN, sehr gering, und ein alter Pentium 90 kann diese Aufgabe ohne Mühe bewältigen.
Vorteil
Positiv zu erwähnen ist an der Internetverbindungsfreigabe, dass sie ohne weitere Soft- oder Hardware einrichtbar ist. Das Einrichten wird durch einen Assistenten unterstützt und ist daher sehr einfach. Sie können eine Diskette erzeugen, mit der Sie alle Client-PCs durch das jeweilige Ausführen des enthaltenen netsetup.exe konfigurieren.
Nachteile
Der Nachteil einer solchen Lösung, bei der das LAN über einen anderen PC mit dem Internet verbunden wird, ist unter anderem, dass dieser PC immer eingeschaltet sein muss, wenn einer der Teilnehmer ins Internet möchte. Ein PC verursacht durch seine zahlreichen Lüfter normalerweise einiges an Lärm, verbraucht mehr als 50 Watt an Strom, und mancher von Ihnen möchte auch einfach nicht seinen PC ständig eingeschaltet lassen, damit der Internetzugang bereitsteht. Ein weiterer wesentlicher Nachteil ist die mangelnde Sicherheit der Lösung.
Wenn Sie den automatischen Verbindungsaufbau durch andere PCs zulassen, sollten Sie das Zusatzprogramm ICSHangup verwenden, damit die Verbindung von den anderen PCs auch wieder abgebaut werden kann. Ansonsten läuft die Verbindung einfach weiter (http://www.wt-rate.com).
1.2.1 Server konfigurieren
 
Die Internetverbindungsfreigabe besteht aus einem PC, der die Internetverbindung für die anderen PCs zur Verfügung stellt. Ich nenne diesen PC Server.
Windows XP Professional
Um eine bestehende und funktionierende Internetverbindung mit anderen Nutzern im LAN zu teilen, verwenden Sie den Netzwerkinstallations-Assistenten: Start • Systemsteuerung • Netzwerk- und Internetverbindungen • Wählen Sie eine Aufgabe... • Heimnetzwerk bzw. kleines Büronetzwerk einrichten oder ändern. Nachdem Sie zwei informative Dialoge mit Weiter bestätigt haben, wählen Sie die Option Dieser Computer verfügt über eine direkte Verbindung mit dem Internet..., um den Server einzurichten. Im folgenden Dialogfenster können Sie z. B. auswählen, welche DFÜ-Verbindung Sie zur Verfügung stellen möchten. Im Beispiel (vgl. Abbildung 12.5) habe ich eine normale DFÜ-Verbindung über ein Modem freigegeben.
Unter Windows XP steht Ihnen die Möglichkeit einer Firewall zur Verfügung. Das Thema Firewall wurde schon in Kapitel 11.2.1, Firewalls, behandelt. Die Windows XP-Firewall ist nicht empfehlenswert, weil sie lediglich eingehende, nicht aber ausgehende Verbindungen kontrolliert. Sie sollten eine andere Firewall, z. B. die Personal Firewall von Sygate, einsetzen.
Der Dialog Netzwerkeinstellungen können übernommen werden... (vgl. Abbildung 12.6) zeigt die Einstellungen, die Sie vorgenommen haben, noch einmal im Überblick. Damit ist Ihr Internetserver konfiguriert.
Nachdem Sie den Server konfiguriert haben, fehlt noch die Konfiguration der Clients, also aller anderen PCs im LAN.
Sie könnten dies manuell machen, aber weil das offenbar für die meisten Windows-Benutzer zu kompliziert ist, bietet Ihnen Windows an dieser Stelle die Möglichkeit, über einen Assistenten eine Netzwerkinstallationsdiskette zu erstellen (vgl. Abbildung 12.7).
Wenn Sie eine solche Diskette noch haben oder einfach nicht erstellen möchten, können Sie eine andere Option wählen, und die Diskette wird nicht erstellt.
Ich persönlich würde die Diskette benutzen, wenn diese Möglichkeit schon besteht; schließlich birgt das die wenigsten Fehlerquellen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich benutze die Internetverbindungsfreigabe nicht.
Das Erstellen der Netzwerkinstallationsdiskette ist selbsterklärend, daher werde ich auf eine weitere Beschreibung verzichten.
Der Assistent erläutert noch, wie Sie die erzeugte Diskette einsetzen müssen (vgl. Abbildung 12.10), und damit ist die Einrichtung der Internetverbindungsfreigabe erledigt.
ohne Assistent
Wenn Sie die Microsoft-Assistenten so mögen wie ich, nämlich gar nicht, dann werden Sie die Internetverbindungsfreigabe ohne den Netzwerkassistenten einrichten wollen.
Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die DFÜ-Verbindung, die Sie für die anderen PCs zur Verfügung stellen möchten. Wählen Sie aus dem Kontextmenü Eigenschaften aus. Dort wählen Sie den Reiter Erweitert.
Der zweite Block, Gemeinsame Nutzung der Internetverbindung, bietet Ihnen genau die Möglichkeit, die Sie suchen. Wie in Abbildung 12.8 zu sehen ist, müssen Sie die Option Anderen Benutzern im Netzwerk gestatten die Internetverbindung dieses Computers zu verwenden aktivieren.
Sollten Sie lediglich diese Option aktiviert haben, muss eine Internetverbindung schon bestehen, damit andere PCs im LAN diese benutzen können. Abhilfe schafft die Option Eine DFÜ-Verbindung herstellen ... Immer, wenn Daten angefordert werden, die nicht in Ihrem LAN sind, wird die Internetverbindung automatisch aufgebaut.
Sie sollten die Internetverbindung nur dann automatisch aufbauen lassen, wenn Sie eine volumenbasierte Abrechnung oder eine Flatrate nutzen. Insbesondere Windows-PCs senden sehr gerne Daten, von denen Sie als Benutzer nichts wissen. Ich meine Programme, die Ihre persönlichen Daten in das Internet versenden, so genannte Spyware. Auch Programme wie der Realplayer und diverse File-Sharing-Programme senden Daten in das Internet. Windows überprüft teilweise ohne erkennbaren Grund die Erreichbarkeit eines eingetragenen DNS-Servers u. Ä., sodass eine Internetverbindung auch dann aufgebaut wird, wenn niemand ein Programm gestartet hat. Das ist ein teures Vergnügen, wenn Ihr Internetzugang nach Online-Minuten abgerechnet wird.
Das Einrichten der Internetverbindungsfreigabe (ICS) ist ein erheblicher Eingriff in das Netzwerk (vgl. Abbildung 12.9), weil u. a. ein DHCP-Server aktiviert wird. Sie sollten nur dann die Internetverbindungsfreigabe aktivieren, wenn Sie der Administrator im Netzwerk sind. Andernfalls legen Sie womöglich viele PCs lahm, weil diese mit der von Ihrem DHCP-Server zugeteilten IP-Konfiguration im LAN nicht arbeiten können.
1.2.2 Clients konfigurieren
 
Die Konfiguration eines Internetverbindungs-Clients ist einfach, insbesondere wenn Sie die Netzwerkinstallationsdiskette verwenden.
Der Netzwerk-Assistent listet Ihnen auf, was Sie nach der Erstellung der Netzwerkdiskette tun müssen (vgl. Abbildung 12.10).
Die Diskette müssen Sie in jeden PC schieben, der die Internetverbindungsfreigabe nutzen soll. Dann doppelklicken Sie auf das dort enthaltene Programm netsetup.exe – fertig.
Sie können das auch manuell erledigen, indem Sie bei den Eigenschaften von TCP/IP DHCP aktivieren. Anstatt eine IP-Adresse u. ä. fest zu vergeben, müssen Sie die Option IP Adresse automatisch beziehen aktivieren.
Sollten Sie einen anderen DHCP-Server in Ihrem LAN betreiben, müssen Sie an den Clients keine Veränderung vornehmen. Die Konfiguration Ihres DHCP-Servers müssen Sie so anpassen, dass als Router/Default Gateway/Standardgateway die IP-Adresse Ihres Internetservers verteilt wird. Die Änderung ist erst wirksam, wenn die IP-Konfiguration per DHCP erneuert wurde.
1.2.3 Alternativen
 
Ich habe schon auf die Schwächen der Internetverbindungsfreigabe hingewiesen. Selbstverständlich gibt es alternative Software, die die Funktion der Internetverbindungsfreigabe erfüllt.
Die bekannteste Software für ISDN ist Ken! und für den DSL-Zugang Ken! 3 von der Firma AVM. Diese Software stellt einerseits einen Internetzugang für Ihr LAN bereit – über die Proxy-Technik – und gleichzeitig auch alle ISDN-Leistungen.
Was vielen von Ihnen sicherlich gut gefallen wird, ist die Möglichkeit, einen E-Mail-Server zu betreiben. So können intern E-Mails verschickt werden, die nicht ins Internet übertragen werden. Sie können Werbebanner filtern, Webseiten sperren und vieles mehr. Weitere Funktionen sind FAX und Voicemail, die zentral über Ken! 3 bereitgestellt werden.
Leider ist die Software mit 215 e nicht ganz billig. Für diesen Preis bekommen Sie einen guten DSL-Hardware-Router und benötigen keinen zusätzlichen PC.
Es ist ausdrücklich zu empfehlen, die Router- und Serverfunktion getrennt zu halten. Ein PC, der sowohl Router und Firewall wie auch E-Mail-, Fax-, Voicemail-, Webserver ist, kann nicht sicher sein.
|