»Die Praxis sollte das Ergebnis des Nachdenkens sein, nicht umgekehrt.« Hermann Hesse
18 Window-Manager und Desktops
In diesem Kapitel sehen betrachten wir die grafischen Oberflächen für X11. Diese Oberflächen gliedern sich in »einfache« Window-Manager und »umfangreiche« Desktop-Oberflächen.
Anders als die normalen Window-Manager bringen Desktop-Oberflächen in der Regel ein relativ umfangreiches Sortiment an passender Software für den Alltag mit. So ist der WindowMaker, als Vertreter eines typischen Window-Managers, eine bloße Oberflächensoftware. KDE enthält hingegen, als typischer Vertreter einer Desktop-Oberfläche, diverse Zusatzprogramme, etwa einen Browser oder eine Office-Umgebung.
Im Übrigen laufen alle populären Window-Manager und Desktop-Oberflächen für X11 sowohl unter Linux als auch unter BSD-Systemen. Dies gilt insbesondere für die in im Rahmen dieses Kapitels besprochenen Projekte.
18.1 Das KDE-Projekt 

Das KDE-Projekt betrachtet Unix als beste Workstation-Plattform und definiert sein Projektziel darin, eine einfach zu bedienende und gleichzeitig funktionstüchtige Oberfläche, wie man sie von Microsofts Windows oder Apples MacOS her kennt, als freie Open-Source-Lösung für X11 zu entwickeln. Dass KDE frei ist, bedeutet im Übrigen auch, dass jede Kernkomponente als OpenSource-Version freigegeben ist, man das ganze Softwarepaket also auch in kommerziellen Umgebungen nutzen kann.
It is our hope that the combination Unix/KDE will finally bring the same open, reliable, stable and monopoly free computing to the average computer user that scientist and computing professionals world-wide have enjoyed for years.\\ \hbox{}\hfill-- Auszug aus http://kde.org (circa 2005). \end{gpZitat}
Das KDE-Projekt wurde 1996 gegründet. Die erste stabile Version 1.0 kam allerdings erst zwei Jahre später, im Juli 1998, heraus. Im Jahr 2000 folgte Version 2.0, 2002 die Version 3.0 und schließlich 2008 die Version 4.0. Die aktuellen Versionsnummern bewegen sich im 4.3.x'er-Bereich. Laut Angaben von kde.org beinhaltet das Projekt mittlerweile über 4 Millionen Zeilen Quellcode und hat damit eine ähnlich umfangreiche Codebasis wie ein Betriebssystem mittlerer Größe.
Benutzerfreundlichkeit
Tatsächlich handelt es sich beim KDE-Projekt um eine äußerst einfach zu handhabende Oberfläche. In seinen Anfangstagen war dieses Softwareprojekt zwar von Instabilität geprägt, dieses Problem konnte aber mittlerweile behoben werden. KDE läuft seit einigen Jahren äußerst stabil und zudem performanter als noch vor einigen Jahren. Die Performance wurde mit KDE 4.0 erneut gegenüber Vorgängerversionen verbessert.
Besonders hilfreich für Einsteiger und Anwender ohne Englischkentnisse ist die Tatsache, dass die KDE-Software und -Dokumentation in etwa 50 Sprachen übersetzt wurde. Zudem ist KDE nicht nur für Linux und BSD, sondern beispielsweise auch für SUNs Solaris zu haben – man muss also unter fast keinem Unix-Derivat auf KDE verzichten.
Abbildung 18.1 KDE
Programmvielfalt
KDE bringt eine große Anzahl an Tools mit sich. Außerdem gibt es diverse auf KDE ausgelegte Programme. Populär sind dabei etwa der CD-Player KsCD, das Brennprogramm K3b, den Audioplayer Amarok (den es mittlerweile auch für Windows gibt), viele Bildungsprogramme und Spiele, Netzwerktools, Administrationstools, die Entwicklungsumgebung KDevelop, die Web-Entwicklungsumgebung Quanta+ und die Office-Suite KOffice. Mehr zu einigen dieser Tools erfahren Sie im nächsten Kapitel.
Zwar gilt vielen Möchtegern-Gurus das Projekt als zu »windows-ähnlich/-lastig«, dies hat jedoch statuspsychologische Hintergründe, die zwar aus sozialwissenschaftlicher Sicht sehr interessant sein mögen, für unsere Zielsetzung jedoch irrelevant sind.
18.1.1 KDE starten und beenden 

KDE starten
KDE wird über startkde gestartet. Sie können KDE auch über startx starten. Dabei müssen Sie jedoch beachten, dass Sie in Ihrer ~/.xinitrc-Datei auch den Befehl zum Starten von KDE angeben müssen.
PATH="$PATH:/usr/local/bin" exec startkde
Listing 18.1 Eine .xinitrc zum Start von KDE
KDE beenden
KDE wird über den K-Button beendet. Dazu müssen Sie lediglich die Menüoption Logout bzw. Abmelden anklicken.
18.1.2 Das K-Panel 

KDE wird primär über das K-Panel bedient. Dieses Panel ist die Leiste, die an einem der vier Bildschirmränder »klebt« und folgendermaßen aussieht:
Abbildung 18.2 Das KDE-Panel
Dabei kann das Panel mit gedrückter Maustaste auf dem K-Icon von Bildschirmrand zu Bildschirmrand verschoben und sogar in Teilbereiche aufgeteilt werden, sodass bestimmte Bereiche des Panels beispielsweise am oberen Bildschirmrand und andere Bereiche am unteren Bildschirmrand dargestellt werden.
Startmenü
Das Panel ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Zum einen ist da das K-Icon ganz rechts – klickt man auf dieses Icon, so öffnet sich das praktische Startmenü. Das Startmenü ermöglicht Ihnen das Starten von Programmen, den Aufruf von Konfigurationsprogrammen für KDE, das Abmelden vom KDE-System und das Sperren des Rechners über einen (passwortgeschützten) Bildschirmschoner. Auch die Suche nach Programmen ist über das eingeblendete Textfeld möglich.
Abbildung 18.3 Das Startmenü
Menü-Editor
Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das K-Icon im K-Panel, um den Startmenü-Editor aufzurufen. Mit diesem können hierarchisch (also durch Untermenüs) Programme in das Startmenü integriert und (wieder) aus diesem entfernt werden.
Abbildung 18.4 Der Editor für das Startmenü
Icons
Neben dem K-Icon im Panel befindet sich ein spezielles Icon, das alle aktuell aufgeklappten Fenster minimiert oder wieder anzeigt. Dies ist äußerst nützlich, wenn man auf den Desktop zugreifen will, dieser jedoch von diversen Fenstern versperrt ist.
Achtung! Die Reihenfolge der Icons und Funktionsschaltflächen im KDE-Panel kann bei Ihnen anders sein. Wenn Sie mit der Maus über eines der Icons fahren, erscheint nach etwa einer Sekunde ein kleiner Beschreibungstext, der Ihnen das Icon erklärt.
Die Systemeinstellungen von KDE erreicht man über das Startmenü (Schraubenschlüssel-Icon). Von dort aus erfolgt die Konfiguration der Desktop-Oberfläche (einstellen lassen sich unter Anderem das Hintergrundbild, das Verhalten des Deskops, das Aussehen der Fenster, die Tastenkürzel etc.) Das Menü ermöglicht Ihnen sogar die Konfiguration einiger Hardwarekomponenten.
Arbeitsflächen
Ebenfalls in der Startleiste finden sich die Buttons für die Arbeitsflächen. KDE unterstützt davon mehr, als der normale Anwender jemals benötigen wird, nämlich bis zu 20. Sie müssen jedoch keine 20 virtuellen Desktops konfigurieren – das KDE-Kontrollzentrum lässt Sie in den Systemeinstellungen unter Arbeitsfläche • Virtuelle Arbeitsflächen selbst entscheiden, wie viele virtuelle Destkops Ihnen zur Verfügung stehen sollen.
Taskleiste
Die Taskleiste beinhaltet alle momentan unter KDE gestarteten grafischen Programme. Diese können entweder minimiert werden, wodurch sie nur in der Taskleiste zu sehen sind, oder angezeigt werden.
Panel-Programme
KDE unterstützt kleine Programme, die bei Bedarf in das Panel integriert werden können. So können beispielsweise das aktuelle Wetter Ihrer Umgebung, ein Wörterbuch oder ein Mondkalender platzsparend und immer sichtbar angezeigt werden. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste in einen freien Bereich der Startleiste und wählt dann Einstellungen der Kontrollleiste · Miniprogramm hinzufügen.
Am Ende des Panels befindet sich in der Regel die KDE-Paneluhr. Diese kann die Zeit digital oder analog und wahlweise mit Datum darstellen. Diese Panel-Programme (auch Miniprogramme genannt) lassen sich übrigens nicht nur im K-Panel, sondern auch direkt auf dem Desktop plazieren – ganz nach Geschmack.
18.1.3 KDE-Tastenkürzel 

KDE unterstützt Tastenkürzel, die Sie für sehr viele verschiedene Aktionen konfigurieren können. Die folgende Tabelle enthält die wichtigsten Tastenkürzel für den täglichen Umgang mit der Oberfläche.
| Tastenkombination | Wirkung |
|
Strg + Drucken |
ein Bildschirmfoto erzeugen |
|
Strg + F1 |
Umschalten auf Arbeitsfläche 1 |
|
Strg + F2 |
Umschalten auf Arbeitsfläche 2 |
|
Strg + F3 |
Umschalten auf Arbeitsfläche 3 |
|
Strg + F4 |
Umschalten auf Arbeitsfläche 4 |
|
Strg + Fn |
Umschalten auf Arbeitsfläche n |
|
Strg + Alt + ESC |
ein Fenster beenden (killen) |
|
Alt + F2 |
einen Befehl ausführen |
|
Alt + F3 |
Aktionsmenü eines Fensters aufklappen |
|
Alt + Tab |
zwischen Fenstern durchschalten |
|
Alt + Umschalten + Tab |
zwischen Fenstern durchschalten (in Gegenrichtung) |
18.1.4 Softwarekomponenten 

Neben der blanken Oberfläche und deren Administrationstools gibt es noch eine Reihe weiterer wichtiger KDE-Komponenten, die teilweise im nächsten Kapitel detailliert behandelt werden.
Konqueror
Zunächst gibt es mit dem Konqueror einen Next Generation Browser.[Fn. Zitat von kde.org] Was an diesem Browser so besonders im Vergleich zu anderen Browsern ist, ist uns nicht so recht klar. Unterstützt werden jedoch alle wichtigen Webfeatures wie JavaScript, Java-Applets, HTML, XHTML, CSS-1, CSS-2 (Cascading Style Sheets), SSL (Secure Socket Layer) und Netscape Communicator Plugins, um Flash, Realaudio, Realvideo und Ähnliches abzuspielen.
Dolphin
Wurde in KDE 3.x noch der Konqueror als Dateimanager eingesetzt, so hat mit KDE 4.x Dolphin diese Aufgabe übernommen. Dolphin ist äußerst benutzerfreundlich und einfach aufgebaut, verfügt aber dennoch über zahlreiche Features.
KOffice
Des Weiteren gibt es ein komplettes Office-Paket namens »KOffice«, das eine ganze Reihe von Programmen enthält. Dazu zählen beispielsweise das Schreibprogramm KWord, ein Präsentationsprogramm (KPresenter), ein Organizer (KOrganizer), eine Rechtschreibprüfung und ein Programm zum Erstellen von Formeln.
Systemverwaltung
Das KDE-Projekt beinhaltet zudem noch diverse grafische Programme, die die Systemverwaltung vereinfachen sollen. Dazu gehören beispielsweise KCron (zur Planung und Verwaltung von Cronjobs), KSystemLog (das aktuelle Logeinträge anzeigt) sowie das KDE-Backup-Tool Keep.
Abbildung 18.5 KSystemLog
KDevelop, Quanta+
Für Softwareentwickler stehen mit KDevelop und Quanta+ zudem hervorragende Entwicklungsumgebungen zur Verfügung. KDevelop kann eigentlich alles, was man jeweils brauchen könnte, aber meistens nicht benötigt. Es handelt sich dabei um eine integrierte Entwicklungsumgebung (IDE), die Ihre Projekte managt, sich um den CVS-Zugriff kümmert, automatisch configure-Skripts erstellt und den GNU-Debugger nutzen kann. Außerdem gibt es im Wizard diverse vorbereitete Skripts und Codes für die Sprachen C, C++, Perl, Ruby und weitere Sprachen, die teilweise auch mit Tk-, Gtk- oder Qt-Einbindung erzeugt werden können. Quanta+ hingegen ist eine Entwicklungsumgebung für Webprojekte. Beide Umgebungen verfügen über diverse kleine Features wie die Auto-Vervollständigung von Kommandos und speziellen Keywords (etwa & in HTML), Klammerpaar-Highlighting und natürlich Syntax-Highlighting für alle möglichen Sprachen.[Fn. Viele Anwender meinen, KDevelop verfüge über diverse Features, die keine andere Entwicklungsumgebung hat. Fakt ist jedoch, dass beispielsweise Microsofts Visual-C++ 6 bereits vor Jahren ähnliche Features (und das teilweise sogar besser) implementiert hat.]
Spiele
KDE bringt eine ganze Menge kleiner Spiele mit, die an die Windows-Klassiker für zwischendurch erinnern. Unter den Acarde-, Brett-, Strategie- und Kartenspielen finden sich Klassiker wie Mahjongg (KMahjongg)[Fn. Ich persönlich rate Ihnen zu xmahjongg, einem sehr alten Spiel, das kaum Features besitzt, aber übersichtlicher ist als KDE- oder GNOME-Mahjongg.], Asteroids (KAsteroids), KBackgammon, Vier Gewinnt, Schiffe versenken, Sokoban (KSokoban) und Minesweeper (KMines). Doch nun genug – zu Spielen gibt es ja noch den Abschnitt 20.8 Spiele.
SuperKaramba!
Ein sehr schönes Spielzeug ist übrigens das Program SuperKaramba. Dieses kennt zahlreiche Plugins, die Ihren KDE-Desktop mit mehr oder minder nützlichen Zusatzfunktionen versehen. Möchten Sie beispielsweise immer über den Speicherverbrauch und die CPU-Auslastung sowie Ihre Festplattenzugriffe Bescheid wissen, dann können Sie sich eines der Monitoring-Plugins einbauen. Ich benutze SuperKaramba unter anderem für eine Übersicht über die aktuellen Aktienkurse.
Tausend Seen
Es gibt noch diverse Zusatzprogramme, über die sich sicherlich ein ganzes Buch verfassen lässt. Der Vollständigkeit halber seien aber noch ein paar interessante Vertreter genannt. Da wäre zum Beispiel kpager, ein Tool, das Sie zwischen den einzelnen Desktops hin und her wechseln lässt und Ihnen deren Inhalt anzeigt. Leider frisst das Programm viel Rechenleistung, und zwischen den einzelnen virtuellen Desktops kann man auch mit Strg + Fn wechseln, wobei n die Nummer des jeweiligen Desktops ist.
Mit Knotes können Sie sich Post-Its auf den Desktop holen, die Sie an alle wichtigen Dinge erinnern, die noch zu erledigen sind – ein durchaus nützliches Feature. Interessant wäre eventuell auch KDEs grafische Variante von top namens kpm.
Mit KWrite steht zudem noch ein recht guter Editor zur Verfügung, und KMail ist ein leistungsfähiges Mailprogramm, das sich hinter Projekten wie Sylpheed nicht zu verstecken braucht. Gleiches gilt für Knode als leicht zu bedienenden Usenet-Client.









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