1.7 Entwicklungsumgebungen im Allgemeinen 

Als Laufzeitumgebung ist das JRE geeignet, und mit dem JDK können auf der Kommandozeile Java-Programme übersetzt und ausgeführt werden – angenehm ist das nicht. Daher haben unterschiedliche Hersteller in den letzten Jahren einigen Aufwand betrieben, um die Java-Entwicklung zu vereinfachen. Moderne Entwicklungsumgebungen bieten gegenüber einfachen Texteditoren den Vorteil, dass sie besonders Spracheinsteigern helfen, sich mit der Syntax anzufreunden. Eclipse beispielsweise unterkringelt ähnlich wie moderne Textverarbeitungssysteme fehlerhafte Stellen. Zusätzlich bieten die IDEs die notwendigen Hilfen beim Entwickeln, wie etwa farbige Hervorhebung, automatische Codevervollständigung und Zugriff auf Versionsverwaltungen oder auch Wizards, die mit ein paar Eintragungen Quellcode etwa für grafische Oberflächen oder Web-Service-Zugriffe generieren.
1.7.1 Die Entwicklungsumgebung Eclipse 

Seit Ende 2001 arbeitet IBM an der Java-basierten Open-Source-Software Eclipse (http://www.eclipse.org/) und löste damit die alte WebSphere-Reihe und die Umgebung Visual Age for Java ab. 2003/2004 führte IBM mit der Eclipse Foundation ein Konsortium ein, das die Weiterentwicklung bestimmt. Diesem Konsortium gehören unter anderem die Mitglieder BEA, Borland, Computer Associates, Intel, HP, SAP und Sybase an. Eclipse steht heute unter der Common Public License und ist als quelloffene Software für jeden ohne Kosten zugänglich.
Eclipse macht es möglich, Tools als so genannte Plugins zu integrieren. Viele Anbieter haben ihre Produkte schon für Eclipse angepasst, und die Entwicklung läuft weltweit in einem raschen Tempo.
Da Oracles IDE NetBeans ebenfalls frei ist und um andere Fremdkomponenten bereichert werden kann, zog sich IBM damals den Groll von Sun zu. Sun warf IBM vor, die Entwicklergemeinde zu spalten und noch eine unnötige Entwicklungsumgebung auf den Markt zu werfen, wo doch NetBeans schon so toll sei. Nun ja, die Entwickler haben entschieden: Statistiken sehen Eclipse deutlich vorne, wobei in den letzten Jahren NetBeans etwas Boden gutmachen konnte.
Eclipse ist ein Java-Produkt mit einer nativen grafischen Oberfläche, das erstaunlich flüssig seine Arbeit verrichtet – genügend Speicher vorausgesetzt (> 512 MiB). Die Arbeitszeiten sind auch deswegen so schnell, weil Eclipse mit einem so genannten »inkrementellen Compiler« arbeitet. Speichert der Anwender eine Java-Quellcodedatei, übersetzt der Compiler automatisch diese Datei. Dieses Feature nennt sich autobuild.
1.7.2 NetBeans von Oracle 

In den Anfängen der Java-Bewegung brachte Sun mit der Software Java-Workshop eine eigene Entwicklungsumgebung auf den Markt. Die Produktivitätsmöglichkeiten waren jedoch gering. Das änderte sich, als Sun im August 1999 das kalifornische Softwarehaus Forte übernahm und damit wieder eine bedeutendere Rolle bei den Java-Entwicklungsumgebungen spielte. Sun interessierte sich besonders für Fortes Produkt SynerJ, das im Kern die IDE enthält. Später wurde das Produkt als NetBeans-IDE (http://www.netbeans.org/) bekannt. NetBeans bietet komfortable Möglichkeiten zur Java SE-, Java ME- und Java EE-Entwicklung mit Editoren und Wizards für die Erstellung grafischer Oberflächen von Swing- und Webanwendungen. Oracle ist sehr experimentierfreudig und unterstützt eine Reihe von Bibliotheken und Frameworks, deren Entwicklungen noch nicht abgeschlossen sind.
Je nach Anwendungsgebiet gibt es von NetBeans unterschiedliche Bundles. Die wichtigsten »NetBeans Packs« (http://tutego.de/go/getnetbeans) sind:
- Java SE. Enthält mit 39 MiB alles Nötige zur Entwicklung von Java SE-Anwendungen.
- Java. Bietet neben der Kern-IDE Tools zur Entwicklung von Web- und Java-Enterprise-Anwendungen. Integriert in den 212 MiB auch den Servlet-Container Tomcat und den Java EE-Application-Server GlassFish.
- All. Enthält in 249 MiB alles, auch Werkzeuge für Ruby, PHP und C(++), aber (bisher) nicht JavaFX.
Eine Frage beschäftigt die Java-Community jedoch im Moment ganz besonders: Mit dem Wechsel von Sun zu Oracle ist es möglich, dass Oracle der IDE NetBeans in Zukunft keine hohe Priorität mehr einräumt, da Oracle mit dem Oracle JDeveloper schon eine IDE im Programm hatte und auch aktiv Eclipse unterstützt. Eine Abkehr zeichnet sich aber bisher nicht ab.
1.7.3 IntelliJ IDEA 

Dass Unternehmen mit einer Java-IDE noch Geld verdienen können, zeigt JetBrains, ein aus Tschechien stammendes Softwarehaus. Die Entwicklungsumgebung IntelliJ IDEA gibt es in einer freien quelloffenen Grundversion Community Edition, die alles abdeckt, was zur Java SE-Entwicklung nötig ist, und in einer kommerziellen Ultimate Edition für 249 US$ (Einzelentwickler) bzw. 599 US$ (Unternehmen), die die Java EE-Entwickler angeht. Die Basisversion enthält auch schon einen GUI-Builder, Unterstützung für Test-Frameworks und Versionsverwaltungssysteme und ist etwa mit »Eclipse IDE for Java Developers« vergleichbar. Die freie Community-Version ist beliebt, da die Unterstützung der alternativen JVM-Sprache Groovy sehr gut ist und ein tolles Scala-Plugin existiert.
1.7.4 Ein Wort zu Microsoft, Java und zu J++ 

Microsoft hat sich aus der Java-Entwicklung nahezu vollständig zurückgezogen, aber in der Anfangszeit einigen Wirbel verursacht. Der Grund dafür ist, dass Applikationen, die unter dem Microsoft Development Kit erstellt wurden, nicht zwangsläufig auf anderen Plattformen lauffähig sind. Microsoft führte gegen alle Standards in seinem J++-Compiler die neuen Schlüsselwörter multicast und delegate ein. Weiterhin fügte Microsoft einige neue Methoden und Eigenschaften hinzu, zum Beispiel J/Direct, um der plattformunabhängigen Programmiersprache den Windows-Stempel zu verpassen. Mit J/Direct können Programmierer aus Java heraus direkt auf Funktionen aus dem Win32-API zugreifen und damit reine Windows-Programme in Java programmieren. Durch Integration von DirectX soll die Internet-Programmiersprache Java multimediafähig gemacht werden.
Da es Sun in der Vergangenheit finanziell nicht besonders gut ging, pumpte Microsoft im April 2004 satte 1,6 Milliarden US$ in die Firma. Microsoft erkaufte sich damit das Ende der Kartellprobleme und Patentstreitigkeiten. Dass es bis zu dieser Einigung nicht einfach gewesen war, zeigen Aussagen von Microsoft-Projektleiter Ben Slivka über das JDK beziehungsweise die Java Foundation Classes, man müsse sie »bei jeder sich bietenden Gelegenheit anpissen« (»pissing on at every opportunity«). [Würden wir nicht gerade im westlichen Kulturkreis leben, wäre diese Geste auch nicht zwangsläufig unappetitlich. Im alten Mesopotamien steht »pissing on« für »anbeten«. Da jedoch die E-Mail nicht aus dem Zweistromland kam, bleibt die wahre Bedeutung wohl unserer Fantasie überlassen. ]




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